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Als der Buddha ein Baumpicker-Vogel war
 


Als der Buddha einmal im Jetavana-Wäldchen war, erzählte er folgende Geschichte, die er in einem früheren Leben erlebt hatte:

Es geschah zu der Zeit, als in Benares König Brahmadatta regierte, da lebte in den Bergen des Himalaya ein Baumpicker-Vogel. Er war gerade auf Nahrungssuche und flog von Baum zu Baum, als er plötzlich ein jämmerliches Knurren und Husten hörte.
Es kam von einem Löwen, der ein großes Stück Fleisch gefressen hatte. Dabei war ihm ein Knochen in der Kehle stecken geblieben. Sein Hals war dadurch angeschwollen, so dass er nur noch röcheln konnte. Und schlimmer noch, er konnte auch keine Nahrung mehr zu sich nehmen. Außerdem plagten ihn heftige Schmerzen.
Der Vogel setzte sich auf einen Zweig in der Nähe und fragte: “Was ist los mit dir, Freund?”
Der Löwe berichtete unter Schmerzen, was vorgefallen war. Dabei musste er  immer wieder Pausen machen, um Luft zu holen, und genau das fiel ihm sehr schwer.
Der Vogel sah, wie schlecht es dem Löwen ging. Gerne würde er ihm helfen, aber er hatte große Bedenken: “Ich könnte dir den Knochen aus dem Rachen herausziehen, Freund. Aber dazu muss ich in deinen Löwenrachen hineinfliegen. Und wenn ich dir den Knochen herausgeholt habe, ist es ein Leichtes für dich, mich einfach herunterzuschlucken.”
Doch der Löwe beruhigte ihn: “Fürchte dich nicht, Freund”, sagte er röchelnd. “Ich werde dich bestimmt nicht fressen, das verspreche ich dir. Bitte, bitte rette mir das Leben!”
Der Vogel überlegte und sagte dann: “Ok, ich werde es versuchen. Leg dich  auf deine Seite und sperr dein Maul auf so weit wie du kannst!”

Da er den Beteuerungen des Löwen, ihn nicht zu fressen, nicht glaubte,  klemmte er in dessen weit aufgerissenes Maul ein Stöckchen. Er steckte es so zwischen Ober- und Unterkiefer, dass der Löwe gezwungen war, sein  Maul ständig offen zu halten. Dann flog der Baumpicker-Vogel in den Rachen des Löwen hinein und stieß mit dem Schnabel an den Knochen, so dass dieser herausfiel.

Kaum war der Knochen auf dem Löwenmaul heraus, flatterte der Vogel auch gleich hinterher. Durch das Stöckchen musste der Löwe das Maul weiter aufgesperrt halten. Jetzt erst pickte der Vogel von außen gegen das Holzstäbchen, und der Löwe konnte sein Maul wieder zuklappen. Da saß der Vogel allerdings schon wieder unerreichbar weit weg auf einem Baumast.

“Habe ich einen Hunger!”, brüllte der Löwe und sein markerschütterndes Löwengebrüll ließ den Urwald erzittern.
Kurze Zeit später hatte er einen Wasserbüffel getötet und war gerade dabei, ihn voller Heißhunger zu verschlingen.
Der Vogel, der das alles beobachtete, dachte: “Ich will ihn auf die Probe stellen.”

Er flog herbei, setzte sich in die Nähe auf einen Zweig und fragte: “Hallo, Herr Löwe! Erinnerst du dich an mich?”

Der Löwe knurrte warnend. “Du bist der, der in meinem Rachen saß. Leider  konnte ich mein Maul nicht schnell genug schließen, sonst wärst du meine Vorspeise gewesen!”

“Oh je, auf den Löwen trifft die Warnung zu, die wir Baumpicker-Vögel uns erzählen”, erinnerte sich der Vogel. Laut sagte er: “Wer undankbar ist, obwohl ihm das Leben gerettet wurde, der ist es nicht wert, dass wir uns zu ihm gesellen!”

Der Löwe beachtete ihn nicht, sondern verschlang weiter voller Gier den Wasserbüffel.

“Undankbarkeit bringt kein Glück, mögliche Freunde weichen zurück. Wer Gutes nicht mit Gutem lohnt, dessen Herz ist unbewohnt. Nie wird er Freude teilen können, niemand wird sich Freund ihm nennen.” Nach diesen Worten flog der Vogel fort.


Nachdem der Buddha diese Geschichte erzählt hatte, erklärte er: “Damals war der Löwe Devadatta, mein Vetter, der auch in diesem Leben schon versucht  hat, mich zu töten. Der Baumpicker-Vogel aber war ich.”

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