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Solange du ein Fisch bist, der im Wasser schwimmt...


Als Buddhist geboren - Interviews mit asiatischen Kindern, Jugendlichen und einem Vater.


Wie wachsen eigentlich Kinder und Jugendliche auf, deren Religion  traditionellerweise der Buddhismus ist? Dass das auch nicht so einfach  ist, wie man sich es als Außenstehender vielleicht vorstellt, erfahrt ihr hier in diesen Interviews, die Andrea Liebers 2008 in der Pagode in Altlußheim geführt hat.



Phonethipe, sie ist 11 Jahre alt, kommt aus Karlsdorf und geht dort in die 5. Klasse)

Ich bin Buddhistin, weil meine Eltern Buddhisten sind, klar. Wenn die anderen Kinder Religionsunterricht haben, gehe ich nach Hause. Das macht mir nichts aus, dass ich da nicht dabei bin. An Weihnachten feiern wir ein Familienfest, da treffen wir alle unseren Verwandten, ich bekomme auch kleine Geschenke. Ich meditiere manchmal zusammen mit meinen Eltern. Wenn besondere Feste sind, gehen wir hierher ins Wat.



Vienghim, sie ist 11 Jahre alt, geht in die 3. Klasse, Sonxay ihr jüngster Bruder ist 6 Jahre, geht in die 1. Klasse, und Mangkong, ihr jüngerer Bruder  ist 7 Jahre alt, er geht in die 2. Klasse. Die drei Geschwister leben in Berlin und sind anlässlich des Makha Puja nach Altlußheim gekommen.

Die Schwester antwortet für die zwei jüngeren Brüder mit, die ein bisschen schüchtern sind.

Wir gehen nicht zum Religionsunterricht, wenn die anderen Kinder dorthin gehen, gehen wir nach Hause. Zu Weihnachten feiern wir ein Fest, mit unseren Verwandten, kleine Geschenke gibt es dann auch. Mit unseren Eltern kommen wir hierher und feiern die Feste mit.



Vanita, sie ist 19 Jahre alt, macht dieses Jahr Abitur und lebt in Heidelberg.

Ich habe natürlich als Kind gemerkt, dass ich anders bin, ich sehe schließlich anders aus, da ich Laotin bin. Als ich mit meinen Eltern in die Pagode gegangen bin, wurde mir deutlich, dass wir eine andere Kultur haben. Weil ich mit meinen Freunden und Freundinnen zusammenbleiben wollte, bin ich in der Schule auch zum Religionsunterricht gegangen. Für mich war das ganz interessant. Ich erinnere mich, dass wir einmal, da war noch in einer unteren Klasse, ein Bild von Jesus malen sollten. Obwohl ich ihn ja eigentlich nicht kannte, war mein Bild ihm dann doch sehr ähnlich. Meine Freunde haben keine Ahnung vom Buddhismus, sie interessieren sich aber sehr dafür und fragen viel. Ob ich Weihnachten feiere, was wir in der Pagode machen und wie wir leben. Im Religionsunterricht wurde der Buddhismus zwar angeschnitten, aber eher historisch und theoretisch. Da bekam man eigentlich nicht wirklich mit, wie Buddhismus ist.



Bobby, ist 35 Jahre alt, verheiratet mit einem Deutschen und kam als 7 Jährige von Laos hierher. Sie arbeitet im Travelmanagement der SAP.

Wir  werden in den Buddhismus hineingeboren, weil unsere Eltern Buddhisten  sind. Für uns ist das so normal, wie für einen Fisch das Wasser ist. Es ist unsere Kultur. Der Ajahn (Ajahn Outhai Dhammiko, der Mönch, der im Wat lebt und es leitet), drückt es gerne so aus: “Wenn du einen Fisch  fragst, warum er im Wasser ist, versteht er nicht, was du meinst. Erst wenn du ein Vogel bist und ins Wasser willst, musst du dich fragen, wie du in dem Wasser leben willst.” Ich finde das umschreibt es sehr gut. Als Kinder sind wir dem Beispiel unserer Eltern gefolgt und mit ihnen in die Pagode gegangen um an Zeremonien teilzunehmen. Ich zum Beispiel bin in der Schule erst in den katholischen Religionsunterricht gegangen,  dann in den evangelischen. Je nachdem, wo ich mehr Freundinnen hatte.  Erst seit ich Sascha, meinen Mann, kenne, der praktizierender Buddhist ist und sich daher auch intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, beschäftige ich mich eingehender mit dem Buddhismus und erlebe mittlerweile auch die positiven Einflüsse, die eine stete buddhistische Praxis und Meditation mit sich bringen. Ich denke, es ist wie bei den Christen, die in ihre Religion hineingeboren werden. Wenn man sich nicht aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, weiß man auch nicht viel darüber und kann dementsprechend wenig damit anfangen. Religion hat  oberflächlich betrachtet sehr viel mit Kultur zu tun, und ist erst einmal kaum davon zu trennen.


Sengsourichith ist 55 Jahre, er ist der Vater von Bobby. Er lebt in Altlußheim und arbeitet als Industriemechaniker.

Ich habe fünf Kinder, die habe ich natürlich buddhistisch erzogen. Meine Frau und ich wir haben sie in die Pagode mitgenommen, da haben sie das alles mitbekommen, und wenn ein Kind gefragt hat, was etwas bedeutet oder wer der Buddha ist, dann wurde das geklärt. Bei uns wird am Morgen oder am Abend meditiert, oder auch nicht, je nachdem, ob wir Zeit haben. Im obersten Zimmer unseres Hauses haben wir einen Altar, der sollte an der höchsten Stelle untergebracht sein, deshalb ist er bei uns im Speicher, den haben wir ausgebaut. Mit den Kindern haben wir, als sie klein waren, ein Buch gelesen, das über das Leben des Buddha ging. Auf Laotisch natürlich, meine Frau und ich können nicht gut deutsch. Wenn eines unserer Kinder zum Beispiel christlich werden würde, dann wäre das kein Problem. Wissen Sie, der Buddhismus ist nicht so streng, er ist sehr offen. Du tust das, was du meinst, dass es das Beste für dich ist. Ich zum Beispiel bin mit dem Buddhismus sehr zufrieden und glücklich. Wenn du im Sinne der buddhistischen Tugendregeln gut gelebt und viel Gutes getan hast, dann ist es sehr gut für dich, wenn nicht, dann ist das nicht gut für dich, ganz im Sinne des Gesetzes vom Khamma. Also versuche ich doch, so gut es geht zu leben und viel Gutes zu tun. Aber es ist meine Entscheidung und liegt in meiner Verantwortung. Ich tue es nicht, weil es ein Gott von mir will, verstehen Sie?


Thepphithak, 14 Jahre alt, geht in die 9. Klasse, lebt in Karlsruhe

Ich bin Buddhist, weil meine Mutter Buddhistin ist. Aber so sehr interessiere ich mich nicht dafür. Ich gehe in der Schule in den evangelischen Religionsunterricht, aber nur aus Spaß. Eigentlich weiß ich mehr über Christentum als über Buddhismus, trotzdem würde ich nicht Christ werden wollen.



Lina, sie ist 25 Jahre alt, wohnt in Hockenheim und studiert Französisch und Englisch auf Lehramt

Meine Eltern haben mich natürlich auf die buddhistischen Feste mitgenommen  und in die Pagode, so habe ich gemerkt, dass ich Buddhistin bin, aber das war nicht so strickt bei uns. In der Grundschule bin ich zum Beispiel in den evangelischen Religionsunterricht gegangen, in der Realschule in Ethik. Als ich kleiner war, hat man mich einmal gefragt, was ich bin. Ich habe gesagt katholisch?, evangelisch?, buddhistisch?  Ich wusste es gar nicht, weil mir nicht klar war, was es bedeutet. Mit der Zeit habe ich das natürlich mitbekommen, und auch in der Schule konnte ich mich über die verschiedenen Religionen informieren. Da habe  ich mich zum Buddhismus hingezogen gefühlt. Nicht unbedingt, weil meine Eltern Buddhisten sind, sondern es war eher so, dass ich mich mit dem  Buddhismus am wohlsten gefühlt habe, im Vergleich mit den anderen Religionen. Der Buddhismus ist sehr offen, sehr tolerant anderen Richtungen gegenüber, es herrscht kein Zwang. Es ist wichtig, dass man das, was man tut, freiwillig tut, dass man es verstanden hat und dahinter steht. Andere Religionen sagen, man darf keine anderen Götter neben dem einen Gott haben, das ist bei uns nicht so, man soll tolerant gegenüber anderen Religionen sein, nichts ablehnen.

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