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Wie lebt man als buddhistische Familie? Auf welche Schwierigkeiten stößt man und wie versucht man sie zu lösen?

Hier könnt ihr verschiedene Familien kennen lernen! Den Anfang mache Peter, Martina und Chiara, die in der Nähe des Bodensees wohnen.

 

    Wie seid ihr (Eltern) zum Buddhismus gekommen?

  • Martina wurde Anfang der 90er Jahre auf einem Kongress in Ascona (CH) auf das Thema „Spirituelle Entwicklung & Buddhismus“ aufmerksam gemacht. Eine Reise nach Thailand, die zwei Jahre später erfolgte, machte sie erneut mit diesem Thema bekannt. Peter lernte von früher Jugend an südostasiatische Kampfsportarten bei verschiedenen Lehrern. Manche von ihnen unterrichteten auch die philosophischen Aspekte dieser Bewegungskünste. Mehrere Auslandsaufenthalte in Asien intensivierten zusätzlich den Kontakt zum Buddhismus.
  • War es von Anfang an klar, dass ihr euer Kind  buddhistisch erziehen wollt?
  • Ja. Auch wenn wir nicht wussten, wie wir dies umsetzen sollten. Einschlägige Lektüre half uns bei der Realisierung dieses Vorhabens. Da unser kulturelles Umfeld katholisch geprägt ist und wir grundsätzlich einen toleranten Ansatz in der religiösen Erziehung anstrebten, wollten wir Chiara den Besuch des römisch-katholischen Unterrichts in ihrer Schule ermöglichen. Bedauerlicherweise akzeptierte der Religionslehrer keine Buddhistin in seinem Unterricht.
  • Auf welche Schwierigkeiten stießt ihr bei der Umsetzung?
  • Die Möglichkeiten, sich mit Buddhisten zu treffen oder einen buddhistischen Religionsunterricht zu erhalten, sind in unserer Lebensregion leider äußerst dünn gesät. Zudem sind buddhistische Meditationsgruppen, Vorträge oder Treffen fast ausschließlich auf Erwachsene ausgerichtet.
  • Wie habt ihr sie gelöst - versucht sie zu lösen?
  • Wir haben akzeptiert, dass wir als „Individualisten“  uns selbständig, d.h. selber & ständig um die fehlende Struktur kümmern müssen. Hierfür nehmen wir gerne auch längere Anfahrten zwischen Österreich, Deutschland und der Schweiz in Kauf.
  • Was ist am schwierigsten, wenn man sein Kind buddhistisch erziehen will?
  • Es ist am schwierigsten andere Kinder zu finden, die ebenfalls der buddhistischen Religion angehören. Eine Herausforderung stellt auch dar, seinem Kind zu erklären, weshalb es z.B. nicht zur Erstkommunion gehen darf, wie andere Schulkolleginnen auch. Ein pädagogisches  Lernfeld ist für uns auch in stressbeladenen Situationen buddhistische Überzeugungen und Werte vorzuleben.
  • Was sagt euer Umfeld dazu?
  • Das engste Umfeld ist kritisch bis stark ablehnend eingestellt und überwiegend streng katholisch ausgerichtet. Das weitere Umfeld im Sinne von Nachbarn,  Bekannten und Freunden ist neutral bis neugierig-bejahend eingestellt. Wir machten die Erfahrung, dass (in Österreich) tatsächlich sehr viele Menschen dem Buddhismus gegenüber aufgeschlossen sind. Die wenigsten wagen es jedoch, die Konfession zu wechseln - aus der Katholischen Kirche auszutreten - und sich offiziell zur Buddhistischen Religion zu bekennen, etwa indem man dem ÖBR (Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft) beitritt.
  • Was würdet ihr euch als Unterstützung wünschen?
  • Peter fühlt sich in seiner Situation recht wohl. Er fände es aber schön, wenn auch in unserem Bundesland ein vergleichbares Angebot für Kinder wie in der Hauptstadt Wien wäre. Martina ist es ein wenig zu viel an „Individualismus“, sie vermisst Strukturen und manchmal auch das gemeinsame Feiern von Ritualen wie sie es vom Katholizismus her kennt.
  • Habt ihr in eurer Familie Rituale eingeführt? Wenn ja, welche?
  • Wir haben Chiara von Willigis Jäger, einem deutschen Benediktinermönch, Zen-Meister und Mystiker in einem Ritual segnen lassen. Chiara besucht seit dem siebten Lebensjahr jeden zweiten Freitag den buddhistischen Religionsunterricht im Tibetisch-Buddhistischen Kloster „Letzehof“. Wir haben im Schweizer Meditationszentrum Haus Tao, ein buddhistisches Praxis- und Studienzentrum der Sati-Zen-Schule in der Tradition nach Thich Nhat Hanh, unsere Hochzeit nach Buddhistischer Tradition gefeiert. Im Alltag leben wir diverse Achtsamkeitsrituale, indem wir z.B. vor dem Essen eine Zimbel anschlagen, einen Text von Thich Nhat Hanh vorlesen und anschießend achtsam das Essen gemeinsam genießen.
  • Unsere Beerdigung soll einmal buddhistisch gestaltet werden.
  • Meditiert ihr zusammen? Wenn ja wie?
  • Ja, etwa im Rahmen der Vesakh-Feier, beim Tsok-Ritual im Buddhistischen Kloster Letzehof und im Schweizer Meditationszentrum Beatenberg; oder auch zu Weihnachten meditieren wir gemeinsam. Im täglichen Leben gehen wir unsere individuellen Wege. Während Martina und Chiara sich in der Tradition des Tibetischen Buddhismus zu Hause fühlen, bin ich mit Zen und Headless nach Douglas Harding eng verbunden. Unser Bindeglied ist unsere Achtsamkeitspraxis, d.h. für uns z.B. ganz bei einer Sache oder Person zu sein, mit der man in diesem Augenblick zu tun hat, oder bewusst bei einem Gespräch zu sein, das man führt.
  • Woran könnte man merken, dass ihr eine buddhistische Familie seid?
  • Wer uns zu Hause besucht, dem fallen sogleich zahlreiche Buddhafiguren  und Statuen in allen verschiedenen Größen und Variationen auf. Ansonsten tragen wir nach außen hin keine besonderen Merkmale oder Verhaltensweisen zur Schau. Wichtiger als äußere Zeichen ist uns eine innere Haltung: eine Einstellung, in der Harmonie, Mitverantwortung, Sozialverträglichkeit und Umweltbewusstsein im Zentrum unseres Handels stehen.
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