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Der König der Fische

(eine Jataka - Geschichte von Buddhas früheren Leben - nacherzählt von Andrea Liebers)

Es war einmal vor langer Zeit, als der Buddha noch nicht erleuchtet war,  sondern als König der Fische in einem kristallklaren See am Fuße des Himalaya lebte. Als König der Fische hatte er seinen Untertanen beigebracht, dass es für ein glückliches Leben ein einfaches Rezept gibt: nicht nur an sich selbst, sondern auch andere denken und zu verstehen, dass keiner ohne den anderen glücklich sein kann. Wenn die Fische nie vergessen würden, dass alles mit allem verbunden ist, dann würde wirkliches Glück entstehen. Die Fische beherzigten dies: sie kümmerten sich umeinander, achteten auch auf die Pflanzen, die im Wasser wuchsen, und waren freundlich zu den Insekten und Wasserkäfern, die dort lebten. Dadurch war dieser kleine See zu einem richtigen Paradies geworden.

Doch irgendwann hatten die Fische vergessen, wo ihr Glück tatsächlich  herrührte. Sie hielten diesen herrlichen Zustand, in dem sie lebten, für ganz normal und selbstverständlich und hörten auf, an andere zu denken. Als Erstes vergaßen sie, den Regengöttern dafür zu danken, dass diese immer wieder den See mit kühlem frischen Nass versorgten.
Mit der Zeit  hatten die Regengötter genug von dem undankbaren Verhalten der Fische.  “Ich sehe nicht ein, warum wir diesen See weiter mit frischem Wasser  versorgen sollen. Die Fische wissen überhaupt nicht mehr, dass das Wasser von uns kommt.”
“Das stimmt!”, meinten die anderen Regengötter. “Dann kümmern wir uns eben nicht mehr um diesen See!”
Sie zogen weiter und ließen ihr erfrischendes Nass auf andere Seen  niederregnen, deren Wasserbewohner nicht vergessen hatten, ihnen dafür  zu danken.

Wie ihr euch denken könnt, war der See der undankbaren Fische nicht mehr lange ein schöner See. Sein Wasser begann zu stinken, die Sonne trocknete ihn mehr und mehr aus. Da kein neues Wasser wieder hineinregnete, wurde der See kleiner und kleiner. Die Fische hatten immer weniger Platz, kaum dass sie noch schwimmen konnten. Der König der Fische wusste natürlich, was der Grund dafür war. Er wartete aber noch ab, bis die Fische vielleicht selbst dahinter kamen. Denn was man mit seinem eigenen Verstand erkannt hat, sitzt bekanntlich fester und sicherer im Kopf als das, was man von jemandem anderen nur gesagt bekommt.
“Uns geht es schlecht, König!”, jammerten sie. “Hilf uns, wir sterben!”
“Ich habe euch beigebracht, wie es funktioniert, dass Glück, Wohlstand und  Freude im See herrschen können. Wenn es euch jetzt schlecht geht, habt ihr sicher etwas falsch gemacht.”
Die Fische murrten. “Wir haben nichts falsch gemacht, König. Bestimmt nicht!”
“Und warum hat es dann seit Wochen schon nicht mehr geregnet?”, fragte ihr König nach.
“Oh, das stimmt!”, meinte eine junge Fischfrau. “Wir haben seit vielen Monaten nicht mehr den Regengöttern gedankt, dass sie uns mit frischem, kühlen Wasser aus ihren Wolken versorgen!”
Jetzt merkten es auch die anderen Fische. Sie wurden ganz kleinlaut. “Oh je, das haben wir tatsächlich vergessen!”
Und sie riefen alle zusammen laut zu den Regengöttern und entschuldigten  sich für ihre Nachlässigkeit. Die Regengötter spürten, dass die Fische es tief in ihrem Herzen bereuten, so undankbar gewesen zu sein. Deshalb ließen sie den Regen hinabfallen auf den fast ausgetrockneten See, und es sah aus, als ob Juwelen vom Himmel fallen würden.
Diese Lektion hatten die Fische von nun angelernt. Nie mehr vergaßen sie, jemandem, der ihnen etwas Gutes getan oder ein Geschenk gemacht hatte, zu danken. Der Buddha erzählte diese Geschichte seinen Anhängern, um sie daran zu erinnern, wie wichtig es ist, dankbar zu sein dafür, wenn andere einem  etwas Hilfreiches, Nützliches oder Schönes geben.

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