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Der Weg der friedvollen Eltern

von Leo Babauta (zenhabits)
aus dem Englischen von Sascha Berger


“...und sie liebte einen Jungen sehr, sehr stark, viel mehr als sie sich selbst liebte.”

Shel Silverstein - The GivingTree


Es gibt nichts Besseres als eine stresslose Erziehung.
Ein Leser fragte mich, ob ich als Vater von sechs Kindern nicht dazu bereit wäre, meine Gedanken zum Thema stresslose Erziehung anderen mitzuteilen. Obwohl ich sehr viel darüber gelernt habe, was es heißt, ein Vater zu sein, und obwohl ich mein Glück im Elternsein gefunden habe, muss ich doch zugeben, dass ich mittlerweile sicher bin, dass stresslose Erziehung ein Mythos ist.

Eltern haben immer Stress:  Wir müssen nicht nur mit Trotzanfällen, aufgeschlagenen Knien und der  Ablehnung des Essens, das wir gerade gekocht haben, umgehen können, sondern wir machen uns auch Gedanken über mögliche Gefahren, die unseren Kindern drohen könnten. Wird unseren Kindern etwas passieren, werden sie als Erwachsene glücklich sein, werden sie sich selbst versorgen können und Liebe finden?

Nichtsdestotrotz habe ich gelernt, dass wir Frieden finden können.
Frieden ist kein Ort ohne Stress, jedoch ein Ort, an dem du den Stress annehmen kannst, wenn er kommt. Geh locker damit um und lass dich nicht von ihm  beherrschen. Du lässt ihn durch dich durchfließen, danach lächelst du, atmest durch und nimmst dein Kind in die Arme.

Es gibt sicher einen Weg der friedvollen Eltern, allerdings habe ich ihn nicht komplett durchschaut. Ich teile aber gern mit euch, was ich bisher gelernt habe, allerdings unter dem Vorbehalt, dass ich selbst auch nicht immer diesen Weg beherzige und Fehler mache. Ich selbst muss auch noch eine Menge lernen und habe nicht den Anspruch, auf jede Frage eine Antwort bereit zu haben.

Der Weg

Der Weg kann nur gelernt werden, indem man ihn geht. Hier sind nun also die von mir empfohlenen Schritte:

 

  • Begrüßt euer Kind jeden Morgen mit einem Lächeln, einer Umarmung und einem liebevollen Guten Morgen. So würden wir alle gerne begrüßt werden, wenn wir Kinder wären.

Bring eurem Kind bei, sein eigenes Frühstück zu machen. Damit sollte man bei den meisten Kindern im Alter von 3-4 Jahren beginnen. Zeigt eurem Kind  nach und nach, wie man seine Zähne putzt, sich selbst wäscht, sein Zimmer aufräumt, seine Kleidung wegräumt, sein Geschirr abspült, seine  Kleidung wäscht, etc.


 

  • Den Kindern diese Fähigkeiten beizubringen bedarf Geduld. Kinder scheitern zu Anfang an den Aufgaben, also müsst ihr es ihnen hundertmal zeigen, lasst sie probieren, korrigiert sie, lasst sie aber auch Fehler machen. Sie werden Schritt für Schritt selbständiger und ihr müsst euch immer  weniger um ihre Belange kümmern.


 

  • Ältere Kinder können jüngeren Kindern helfen - es ist gut für sie auf diesem Weg Verantwortung zu lernen und es hilft den Kleineren von den Größeren  zu lernen, außerdem nimmt es Stress von euch.


 

  • Lest ihnen so oft wie möglich vor, es ist ein wundervoller Weg, der zur Bindung beiträgt, der sie bildet und sie Fantasiewelten erkunden lässt.


 

  • Baut Burgen mit ihnen, spielt Verstecken, beschießt euch gegenseitig mit Spielzeugpistolen. Trinkt Tee zusammen, presst Zitronen aus und macht Limonade. Spielt oft, denn Spielen ist die Essenz des Kindseins. Versucht sie nicht zu zwingen mit dem Spielen aufzuhören.


 

  • Wenn euer Kind nach eurer Aufmerksamkeit sucht, dann gebt sie ihm.


 

  • Eltern brauchen allerdings auch Zeit für sich selbst. Etabliert feste Rituale, damit ihr auch Zeit für euch selbst habt. Oder richtet eine Mutter & Vater Zeit für den Abend ein, zu welcher sich euer Kind sich dann  mit sich selbst beschäftigt.


 

  • Wenn euer Kind aufgebracht ist, dann versetzt euch in seine Lage. Beurteilt es nicht nach seinem Verhalten (ja klar, Heulen und Schreien ist nicht  ideal), sondern nach den Bedürfnissen hinter diesem Verhalten. Braucht das Kind eine Umarmung, Aufmerksamkeit oder ist es nur müde?


 

  • Entwickelt selbst die Verhaltensweise, die ihr bei eurem Kind gerne sehen würdet. Ganz nach dem Motto: Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Schreit nicht das Kind an, nur weil es selbst schreit. Seid nicht böse mit dem Kind, nur weil es seine Beherrschung verliert. Ärgert euch nicht über ein Kind, das die ganze Zeit Videospiele spielen will, wenn ihr selbst immer nur am Laptop sitzt. Bewahrt die Ruhe, lächelt, seid freundlich, geht nach draußen und seid aktiv.


 

  • Wenn stressgeladene Zeiten kommen (und das werden sie), lernt lächelnd mit ihnen umzugehen. Macht einen Witz, macht ein Spiel draus, lacht! Ihr bringt euren Kindern damit bei, nicht alles todernst zu nehmen und das Leben stattdessen lieber zu genießen. Atmet durch und geht weg, anstatt eure Beherrschung zu verlieren. Kommt erst zurück, wenn ihr wieder lächeln könnt.


 

  • Erinnert euch daran, dass euer Kind ein Geschenk ist. Es wird nicht lange ein Kind sein, und die Zeit läuft schon davon. Jeder Moment mit ihm ist ein Wunder, und ihr solltet dieses Wunder würdigen. Genießt es, so gut ihr nur könnt und seid dankbar dafür.


 

  • Lasst euer Kind an euren Interessen teilhaben. Backt Kuchen zusammen, sät  gemeinsam Pflanzen aus. Treibt zusammen Sport. Erstellt gemeinsam eine Webseite oder schreibt einen Blog.


 

  • Macht euch keinen Kopf, wenn ihr als Eltern mal Mist baut, das ist okay.  Vergebt euch selbst. Entschuldigt euch. Lernt aus dem Geschehenen oder  anders gesagt, entwickelt das Verhalten, das ihr euch von eurem Kind  wünscht, wenn es selbst mal Mist gebaut hat.


 

  • Lehrt eurem Kind auf geduldige Art und Weise Verhaltensregeln. Es sollte  Regeln geben – was akzeptabel ist und was nicht. Es ist nicht okay,  Dinge zu tun, die anderen oder dir selbst schaden. Wir sollten uns  gegenseitig mit Freundlichkeit und Respekt begegnen. Dies sind Dinge,  die Kinder nicht sofort lernen. Also seid geduldig, achtet aber darauf  Grenzen zu setzen. Innerhalb dieser Grenzen kann es viel Frieden geben.


 

  • Gebt eurem Kind Freiraum. Eltern neigen dazu die Freizeit ihrer Kinder mit Dingen wie Kursen, Sport, Verabredungen zum Spielen, Musik usw. zu verplanen. Diese Termine einzuhalten ist eine ständige Stressquelle für beide, Eltern und Kind. Lasst die Kinder rausgehen zum Spielen. Freizeit ist notwendig und außerdem müsst ihr nicht immer dabei sein - Kinder  brauchen Zeiten für sich alleine, genau wie ihr.


 

  • Treibt Sport um euren Stress bewältigen zu können. Ein Lauf im Grünen ist eine wundervolle Sache. Gönnt euch dann und wann eine Massage.


 

  • Es hilft ungemein ein Eltern-Team zu sein- ein Elternteil kann übernehmen, wenn der andere gerade gestresst ist. Wenn einer von euch beiden gerade dabei ist die Fassung zu verlieren, sollte der andere die ruhige Kraft sein.


 

  • Mutter und Vater sollten öfter mal eine “Verabredung” haben. Nehmt euch einen Babysitter oder noch besser, bringt den älteren Kindern bei, auf die Jüngeren aufzupassen.


 

  • Singt und tanzt zusammen.


 

  • Nutzt jede Gelegenheit, den Kindern Güte und Liebe zu lehren, dies ist die beste Lektion.


 

  • Gebt euren Kindern einen Gutenachtkuss und seit dankbar für einen weiteren großartigen Tag mit eurem schönen, einzigartigen und verrückten Kind.



“Ihr wisst, die einzigen Leute, die sich absolut sicher über die beste Art der Kindeserziehung sind, sind jene, die nie Kinder hatten.”

 

Bill Cosby
 

 

 

 

 

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