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 Auch buddhistische Lehrer waren einmal Kinder.

Was haben sie gemacht? Wollten sie schon immer Meditationslehrer werden oder hatten sie auch andere Wünsche?


Matthieu Ricard; Foto Raphaele Demandre Matthieu Ricard ist ein Schüler des Dalai Lama und seit 1989 sein offizieller Übersetzer vom Tibetischen ins Französische. Er wurde 1946 in Frankreich geboren, sein Vater, Jean-Francois Revel, war ein berühmter Schriftsteller und Philosoph. Seine Mutter, Jahne Le Toumelin, ist eine bekannte Malerin. Matthieu Ricard studierte Molekularbiologie und schloss sein Studium 1972 mit einer Doktorarbeit ab. Schon 1967 lernte er auf einer Indienreise viele bekannte tibetische Meditationsmeister kennen, seit über 40 Jahren lebt er als Mönch im Himalaya-Gebiet. Er hat mehrere Bücher geschrieben und ist ein begeisterter und begnadeter Fotograf. Ursula Ricard hatte im Mai 2015 die Gelegenheit ihn in Hamburg zu treffen und ihm einige Fragen zu seiner Kindheit stellen.

Sie sind seit vielen Jahren buddhistischer Mönch. Waren Sie als Kind schon an Religion interessiert?

Überhaupt nicht. Erst als ich ein Teenager war, begann ich mich für Spiritualität zu interessieren. Ich las alles, was ich in die Finger bekam: über Christentum, Sufitum, Hinduismus, Buddhismus, alles mögliche.

Ihre Mutter interessierte sich schon früh für den Buddhismus, habe ich gelesen.

Ja, das stimmt. Meine Mutter und mein Onkel waren sehr eingetaucht in die esoterische Szene zu der Zeit. Sie lasen Meister Eckart, beschäftigten sich mit Ramana Maharshi.

Zurück zu mir: Ab dem Alter von 15 interessierte ich mich dafür, aber nur intellektuell, ich praktizierte nichts. Erst als ich 20 Jahre alt war und meinen Lehrer traf, begann ich zu meditieren.

Was waren in der Schule Ihre Lieblingsfächer?

Geschichte, Geografie und Physik.

Sie sind heute ein bekannter Schriftsteller. Mochten Sie „Schreiben“ schon der Schule gern?

Nein, überhaupt nicht, ich bin nicht der geborene Schriftsteller. Ich habe zwar viele Ideen, über die ich gerne schreiben würde, aber das ist nicht einfach für mich.  25 Jahren lang habe ich keine einzige Zeile auf französisch oder englisch gelesen. Erst 1972, als ich zusammen mit meinem Vater das Buch „Der Philosoph und der Mönch“ schrieb, änderte sich das. Ich war voll und ganz damit beschäftigt gewesen, tibetisch zu lernen. Dass ich Bücher geschrieben habe und schreibe, hat nichts damit zu tun, dass ich Schriftsteller bin, sondern weil ich Dinge, die ich wichtig finde, anderen mitteilen möchte.

Haben Sie als Kind gerne gelesen?

Ja, als Kind las ich gerne und viel.

Vor kurzem haben Sie ein Buch über Tiere geschrieben. Wie war als Kind Ihr Verhältnis zu Tieren?

Ich habe mich da nicht gerade vorbildlich benommen. Meine liebe Großmutter nahm mich als Kind mit zum Fischen und Angeln. Als ich schließlich verstanden habe, wie viel leiden und Schmerz ich diesen armen Wesen damit zufüge, habe ich sofort damit aufgehört.

Wenn Sie als Tier wieder geboren würden, welches würden Sie gerne sein?

Ich will auf keinen Fall als Tier wieder geboren werden, denn als Tier hast du, obwohl du Glück suchst und Leid vermeiden willst, nicht die Fähigkeiten dich auf einem spirituellen Weg weiterzuentwickeln, Lehrreden zu hören, deinen Geist von negativen Tendenzen zu befreien, Erleuchtung zu erlangen. Nach der buddhistischen Lehre bietet nur der Menschenbereich die richtige Mischung aus Leid und Glück. Du hast nicht zu viel Zufriedenheit, so dass du nur am Schwimmingpool liegen willst, und du hast nicht zu viel leiden, dass du nicht anderes tun kannst. Ich will als Mensch wiedergeboren werden. Ich bin sicher, dass das noch sehr, sehr häufig passieren muss, bis ich Erleuchtung erlang haben werde.

Erinnern Sie sich an ein Erlebnis mit Tieren, das Sie sehr berührte?

Allein, wenn ich das leiden der Tiere sehe, macht mich das sehr betroffen. Es öffnet meine Augen. Als ich mit 12 Jahre Fischen ging, fragte mich jemand, warum ich das tue. Erst da dachte ich darüber nach. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich im Wasser schwimmen würde und plötzlich mit einem eisernen Haken im Maul herausgezogen würde, das ging mir sehr nahe.

Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Ich mag rot und gelb.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Alles, was ohne Leiden erzeugt wird. Am liebsten mag ich eigentlich Müsli, ich esse es jeden Morgen.

Sie sind ein Freund des Dalai Lama. Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit ihm zusammen sind?

Nicht Freund, ich bin ein Schüler von ihm. Jede Situation mit ihm ist beeindruckend. Er ist immer der selbe, ob du ihn privat triffst oder in der Öffentlichkeit. Ob er sich mit sehr einfachen Leuten trifft oder mit Staatsoberhäuptern, er verhält sich immer gleich, er ist voller Mitgefühl und Freundlichkeit.

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