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Der König der Fische

König der Fische, Bild: Abdul GuguKönig der Fische, Bild: Abdul GuguMitten in den undurchdringlichen Wäldern der sanft geschwungenen Hügel des Himalaya lag versteckt ein wunderschöner See. Sein Wasser war tiefblau und kristallklar. Die Ufer waren gesäumt von Lilien und Lotussen, weißen, roten und blauen. Gänse, Enten und Schwäne lebten dort. Nahe am Ufer wuchsen große Bäume, die herrlichen Schatten spendeten.

In diesem See lebte der Buddha als König der Fische. In vielen Leben hatte er die Eigenschaft entwickelt den Wesen unter allen Umständen helfen zu wollen. Und so tat er es auch jetzt, als er der Herr der Fische dieses Sees war.

Er machte den Fischen Geschenke, sprach freundlich mit ihnen und half ihnen sich gegenseitig zu achten und gut zueinander zu sein. Er unterstützte alle guten Taten und Gedanken der Fische und versuchte die schlechten Taten und Gedanken zu unterbinden.

Nach einiger Zeit hatten die Fische tatsächlich vergessen, dass sie früher manchmal grausame Gedanken gehabt hatten und böse zueinander gewesen waren. Der See war zu einem kleinen Paradies geworden.

Doch irgendwann war das Glück zu Ende, denn die Fische hatten vergessen, den Regengöttern regelmäßig für den Regen zu danken. Diese fühlten sich vernachlässigt und schickten nicht mehr genug Regen vom Himmel herab. Der Wasserspiegel des Sees sank; das kristallklare Wasser färbte sich gelb von den vertrockneten Blüten und den Blättern der Bäume, die in den See fielen, weil die Bäume langsam verdursteten.

Tag für Tag wurde der See kleiner. Die Sonnenstrahlen brannten herab und kühlten ihre Hitze im Wasser. Die ausgetrocknete Erde trank in durstigen Zügen das kühle Nass des Sees und der trockene, heiße Wind fuhr in den See, um Erfrischung zu suchen. Der Wasserspiegel sank und sank. Bald war das grüne Schilf am Ufer braun und abgestorben. Die Seerosen lagen welk auf dem trockenen Ufersand und der Wind wirbelte den Sand auf.

König der Fische, Bild: Abdul GuguDie Fische waren verzweifelt. Schwärme von Krähen saßen schon in den kahlen Ästen der Bäume und warteten darauf, dass die Fische als leichte Beute auf dem Trockenen liegen würden.

Als der König der Fische sah, wie seinen Untertanen sich quälten, war er sehr traurig und überlegte, wie er schnell Hilfe herbeischaffen könne, denn dafür war es höchste Zeit. Die Fische drängten sich ganz dicht zusammen und japsten nach Luft.

Der König sah all das Leiden um ihn herum und er hatte tiefes Mitgefühl. Dann blickte er hinauf zum Himmel und rief:

„So, wie es sicher ist, dass ich noch niemals absichtlich ein Wesen getötet habe, selbst in der aussichtslosesten Situation nicht, so sicher ist es, dass wir alle sterben, wenn nicht bald Regen fällt. Deshalb bitte ich den Herrn der Regengötter: Schicke Regen und fülle die Seen mit Wasser.“

Die Wesen und Götter im Himmel mochten den König der Fische gern und sie wussten, dass seine Worte der Wahrheit entsprachen: Noch nie hatte er einem Wesen absichtlich etwas zuleide getan. Und sie sahen auch, wie verzweifelt sich die Fische in der kleinen, schmutzigen Wasserlache drängelten, die früher einmal herrlicher See gewesen war. Das Krächzen der Krähen und Raben erfüllte die Luft, und der Wind blies die trockenen Blätter am Ufer entlang.

Und so beschlossen die Götter den Fischen zu helfen.

Bald sammelten sich dunkle Wolken am Himmel, ihre Wasserbäuche wurden dicker und dicker, bis sie tief herabhingen. Ein leises Donnern erfüllte die Luft, blitzende Lichtstrahlen zuckten über die massigen, dunklen Wolken. Es wurde düsterer und düsterer, obwohl es doch mitten am Tag war.

Ein langes, tiefes Donnergrollen hörte sich wie ein lautes Lachen an. Dann fiel der Regen. Wie Perlen, die aus ihren Muschelschalen geschüttelt werden, so fielen die ersten schweren Tropfen.

Sie bedeckten den Staub, und die Erde begann feucht zu riechen. Diesen Duft trug der Wind mit sich davon, so dass die ganze Luft davon erfüllt war. Der Regen prasselte auf die Erde, begleitet vom dumpfen Donnern der zusammenprallenden Wolkenbäuche und umtanzt von grellen Blitzen. Erschrocken flatterten die Krähen davon und suchten sich ein trockenes Plätzchen.

Die Fische waren überglücklich. Doch der König der Fische hatte trotz seiner Freude Bedenken, dass der Regen zu früh aufhören würde. Deshalb bat er den Regengott: „ Lass es weiter regnen, Regengott! Lass Wasser fallen wie Juwelen!“

Als dies der oberste Gott hörte, erschien er und sprach voller Anerkennung: „ König der Fische, es muss dank Eurer großen Macht sein, die Ihr durch Eure außergewöhnlichen Taten erworben habt, dass die Wolken so unerschöpflich Wasser geben. Von jetzt an braucht Ihr Euch nicht mehr zu fürchten: Gute Wesen will ich immer unterstützen. Niemals wieder soll dieses Land in solch ein Unglück fallen.“

In der Zwischenzeit war der See bis zum Überlaufen voll geworden. Der König der Fische ermahnte seine Untertanen: „Ich hoffe, ihr habt daraus gelernt! Vergesst niemals, denen, die die Ursache eures Glücks sind, dankbar zu sein.“

Die Fische hatten ihre Lektion gelernt: Von nun an dankten sie jeden Tag den Regengöttern, und ihr kleiner See verwandelte sich wieder in ein wunderschönes Paradies. Wenn die Sonne darauf schien, glänzte der Wasserspiegel wie ein großes Juwel.

Nacherzählt von Andrea Liebers, Bilder von Abdul Gugu

 

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