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Ein Regen aus den Wolken


Was passiert, wenn sich eine Wolke auflöst? Können Regentropfen sterben? Werden Regentropfen als Regentropfen wieder geboren?
In der Geschichte von Andrea Liebers erfahrt ihr mehr darüber.

Die Bilder hat euch Phirun Koy (9 Jahre alt) gemalt.



Es war einmal ein sehr kleiner Wassertropfen in einer sehr großen Wolke.

Klong ----glong,
klong ---- nong,
nong --- mrong

So klingt es im Inneren der großen Wolke, wenn die Wassertropfen darin hin und her geschaukelt werden.

klong, gong, gidong,
nong---mrong:
Wassertropfen reden so miteinander. Sie erzählen sich Geschichten. Manchmal stellen sie sich auch Fragen. Wie zum Beispiel die:

Kliong, gong.
“Wie wird es sein, wenn wir als Regen aus der Wolke fallen? Wo werden wir ankommen?”

Killing, kilang, kriong.

“Wir könnten im Meer landen.” Das ist eine der Antworten. “Im Meer gibt es  unendlich viele von uns. Nur Wasser. Keine Tropfen mehr.”

“Nur Wasser? Keine Tropfen? Wie soll das gehen?”

kalung, klaong, kalung.

“Weiß nicht!” klong, kliong. “Wissen wir alle nicht!”
“Wir können es uns nicht vorstellen.”

Kliang, kliong, klijang.


“Im Meer rauscht das Wasser laut. Sch, schschsch, so hört es sich an, haben wir gehört. Das Meer ist blau, haben wir gehört.”

Klimmong, guyang

“Und manchmal ist es grün.”
“Und oft hat es Wellen. Manchmal auch sehr hohe Wellen”, haben wir gehört.
“Das Meer besteht aus Wasser. Aber wo sind die Tropfen geblieben?”

kluming, klimung, klimung.

“Wissen wir nicht! Wissen wir alle nicht!”
“Weiß ich auch nicht!”, ruft der kleine Wassertropfen und wundert sich.
“Wohin kommen wir Tropfen, wenn wir zur Erde regnen?”, fragt er laut, denn er will weiter zuhören.

Kliung, kitibung
Kliung, kitibijung,

Antworten die Tropfen. “Es kann sein, dass wir in einer Sandwüste landen.”

Klim, klim, klumin.

“Auf diese Sandwüsten sind jahrelang keine Tropfen mehr gefallen.”

“Plopp, plopp, ploloppolopp, so klingt es, wenn Regentropfen auf die Sandwüste fallen.”

“Plopp, plopp, ploloppolopp”, ahmen die Wassertropfen in der Wolke das Geräusch nach.
Der kleine Wassertropfen kichert, weil es so lustig klingt.

“Wenn ein Regentropfen auf eine Wüste fällt, versickert er sofort im Sand.”
“So wird es erzählt”, meinen die Tropfen und zittern.
Im Sand versickern gefällt ihnen gar nicht.

“Im Sand versickern? Sich in Sand auflösen? Wird ein Tropfen dann zu Sand?”, fragen sie durcheinander und es klingt ganz wild:

kliongiu, kloniu, zionglu,
klongiyo, kiongyo.

“Vielleicht Wassersand?”, fragt der kleine Wassertropfen neugierig.

Stacks Image 81Die größeren Tropfen schütteln sich. “Von Wassersand haben wir noch nie gehört!”, antworten sie. Es klingt wie glump, glump, glump.

“Woher wisst ihr das alles?”, fragt der kleine Tropfen jedes Mal an dieser Stelle.

“Wir haben es gelernt, als wir größer geworden sind”, antworten sie.
“Du lernst es jetzt auch. Das bedeutet, dass du größer wirst.”


Der kleine Wassertropfen lächelt zufrieden. Er hört es gern, dass er schon größer geworden ist.

“Wo können wir Tropfen noch landen, wenn wir als Regen aus der Wolke fallen?”, fragt er weiter.

Kligong, kliging, kligung.

“Wir können auf Dächern von Häusern landen”, meint ein schön rund geformter Wassertropfen.

“Klopop, klopop, klopopp. So klingt es, wenn Wassertropfen auf ein Dach aufschlagen”, erklärt der Runde weiter.

Klopop, klopop, klopopp ahmen die Tropfen dieses Geräusch nach und nun müssen alle lachen.

“Außerdem hüpfen die Tropfen, wenn sie auf einem Dach aufschlagen”, sagt der schöne runde Wassertropfen.

Klibing, klibing, klibing.

Am schönsten findet der kleine Wassertropfen die Geschichte, die über Baumblätter geht. Tropfen können nämlich auch auf Bäumen landen. Wenn nach dem Regen die Sonne hervorkommt, dann glitzern die Regentropfen auf den Bäumen wie Juwelen.
Und mit dem Glitzern verschwinden sie als ob sie sich im Glitzern auflösen würden, erzählen die größeren Tropfen.


Der kleine Regentropfen hört den Geschichten über das Regnen unglaublich gerne zu.

Woher diese Geschichten kommen und wer sie hoch in die Wolke gebracht hat,  weiß keiner. Denn niemand kennt einen Tropfen, der aus der Wolke als Regen zur Erde gefallen ist und wieder in die Wolke zurückgekehrt ist.

Vielleicht stammen diese Geschichten von der Wolke? Das hat der kleine  Wassertropfen schon oft gedacht. Aber er hat sich nicht getraut, danach  zu fragen.

Der kleine Regentropfen stellt es sich gerne vor, als Regen zur Erde zu fallen. Manchmal glaubt er, dass es wunderschön wäre.  Das andere Mal ist er überzeugt davon, dass es sehr gefährlich wäre.
Wieder ein anderes Mal denkt er, es könnte lustig sein. Doch im nächsten Moment stellt er es sich Furcht erregend vor.

Der kleine Wassertropfen hofft, dass er noch lange Zeit in der Wolke  bleiben kann. Er will schließlich noch weiter wachsen und ein sehr großer Tropfen werden. Dann lernt er sicher noch viel mehr Geschichten kennen. Vielleicht bekommt er auch heraus, woher diese Geschichten stammen.

Es gefällt ihm sehr gut in der Wolke. Sie ist schön groß. Es ist immer ein bisschen dämmrig in der Wolke.

Aber man kann dennoch alles sehr gut sehen.
Es herrscht Halblicht und Halbdunkel. Beides zugleich.

Wenn es keine Geschichten zu hören gibt, dann kullert der kleine Regentropfen von einer Seite der Wolke zur anderen Seite.

Er stellt sich dabei vor, dass sich regnen so ähnlich anfühlen müsste.

Die meisten anderen Regentropfen mögen das Hin- und Herkullern nicht. Viel lieber bleiben sie an einer Stelle. Sie genießen es, mehr oder weniger unbewegt zu sein.

Manche halten sich zum Beispiel am liebsten im vorderen Teil der Wolke auf.

Oder ganz in der Mitte der Wolke.

Oder im hinteren Teil ganz oben.

Die Tropfen, die gerne einen festen Platz haben, mögen es auch nicht, wenn Wind aufkommt.

Denn der Wind bläst die Wolke vor sich her. Dann werden alle Tropfen  durcheinander geschaukelt. Keiner kann mehr an seinem Platz bleiben.

Heute zum Beispiel ist ein besonders windiger Tag. Der kleine Regentropfen jauchzt, weil es so schön auf und ab geht.
Im Bauch der Wolke wird sehr viel geredet, weil es so stürmisch ist.

Klipp, kling, klang-gink.

Kimp, kimb, kimb, krillili

Ki Ki klim klim, grimm

Kiga kiga glung

Glung glung glung

Tönt es vorne, hinten, unten oben, in der Mitte. Alles gleichzeitig und durcheinander. Die Tropfen schimpfen darüber, dass sie so durchgeschüttelt werden.

Stacks Image 90Der kleine Regentropfen allerdings findet das herrlich.

Kritsch, kratsch
ratsch,
klatsch
klatsch,
ratsch,
kritiliung kratiliung kritititilliung.

Der kleine Regentropfen hört auf zu jauchzen und lauscht.
Was ist das für ein Geräusch?

Es ist nicht der Sturm, der heult.
Es sind auch nicht die Tropfen, die sich unterhalten.
Es ist die Wolke, die bebt und kracht!
Plötzlich fallen

Millionen Tropfen mit einem Mal aus der Wolke heraus. Wo vorher die Wolke war, ist jetzt ein fallender Regen.

Stacks Image 93Der kleine Tropfen fällt mit dem Regen hinab, vom Himmel hinunter zur Erde.

Es gibt keine Wolke mehr, die Tropfen in sich bewahrt. Denn alle Tropfen  regnen zur Erde hinunter. Die Wolke hat sich aufgelöst und ist zu Regen geworden.

Der Sturm peitscht durch die fallenden Tropfen hindurch:

Klabu, klabu, klabu,
klatam klatam klatam,

gogum
gogumm klatamm.

Der kleine Regentropfen jubelt. Es ist herrlich durch die Lüfte zu fallen. Viel schöner als er es sich vorgestellt hat. Manchmal bläst der Wind ihn wieder ein wenig nach oben. Nach oben fallen! Das ist ein besonders unbeschreibliches Gefühl.

Die fallenden Regentropfen reden, rufen, schreien und lachen alle durcheinander. Sie sind überrascht, wie sich das Fallen anfühlt. Ihre Worte rauschen durch den Regen, es hört sich an, als ob ganz viele Wolken gemeinsam in einer Wolke wären.

Plötzlich fühlt der kleine Regentropfen einen harten Schlag. Er ist gelandet. Doch es hat nicht Plopp, plopp, ploloppolopp gemacht. Also war er nicht im Wüstensand aufgekommen.
Er springt auch nicht über ein Dach, er wird auch nicht zu rauschendem Meereswasser.

Es glitzert auch nicht durch ihn hindurch.

Er liegt auf einem festen durchsichtigen Untergrund. Neben ihm schimmern andere Wassertropfen. Sie sehen merkwürdig platt aus. Aufgeregt beginnen sie zu sprechen.

Kimung kimung kimung?

“Wo sind wir?”, fragen sie neugierig.

Stacks Image 96Plötzlich bricht die Sonne hervor. Um den kleinen Wassertropfen herum leuchtet  alles auf. Es funkelt und glitzert. Am meisten funkelt es in ihm. Alle Farben kann er in sich entdecken. Am deutlichsten fühlt er das Rot. Ein  warmes starkes Rot, das immer leuchtender wird. Dieses Rot ist so wunderschön, dass der kleine Tropfen nicht mehr daran denken kann, ein Wassertropfen zu sein.

Das ist nur noch Rot und Wärme. Also ist er dieses freudig strahlende warme Rot.

Er ist kein Tropfen mehr. Er ist kein Wasser mehr.
Er ist nur noch warmes strahlendes glitzerndes Rot.

Biyung, biyung, biyunng.

Klingt es in ihm und um ihn. Das ist eine neue Sprache. Es sind die Worte der  Sonnenstrahlen, die durch ihn hindurchleuchteten. Sie schwingen in ihm. Doch leider kann er sie nicht  verstehen.

Die Sonnenstrahlensprache ist ihm noch unbekannt.

Stacks Image 99Biying -Klong, ---- Biyung- glong,
Biyung - klong ---- Biyung - nong,
Biyung - nong --- Biyung - mrong

so klingt es im Inneren des Dunstes, der von der Straße nach dem großen  Regen aufsteigt. Die Sonne scheint auf sie herunter. Was vorher Regen war, steigt jetzt als Dunst hinauf in den Himmel.

Bald werden sich sicherlich wieder große Wolken bilden. Ach, wie  der Wind den Dunst durcheinanderwirbelt!

Kiyong biyung glong, gling,
Friting friting, friting.

Die Geräusche der Sonnen-Farben, des Dunstes und der regennassen Erde klingen  fröhlich durcheinander.

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