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Ein zukünftiger Mönch erzählt

 

Lucas ist 27 Jahre alt und kommt aus Ivaipora, einer kleinen Stadt im Süden von Brasilien. Vor ein paar Jahren fasste er den Entschluss, dass er buddhistischer Mönch werden möchte. Buddhakids hatte die Gelegenheit im Kloster mit ihm zu sprechen, kurz bevor er ordinierte (Mönch wurde):

Ordination von Lucas, Bildmitte.Wo bist du zur Schule gegangen?

In Maringa, die Schulen an dem Ort, wo ich lebte, waren nicht besonders gut, deshalb musste ich woanders hingehen. Seit ich 14 Jahre alt bin, lebe ich ohne meine Familie. Ich musste sehr früh lernen, wie ich alleine in der Welt zurechtkomme.

Was hast du als Kind am liebsten gespielt?

Ich habe Lego geliebt. Die meiste Zeit habe ich damit verbracht neue Raumschiffe zu bauen und Geschichten über ihre Besatzung und deren Abenteuer zu erfinden. Viel Zeit verbrachte ich auch mit Computerspielen, vor allem mit Rollenspielen.

Welches waren deine Lieblingsbücher?

Es gab ein paar Bücher, die mich sehr beeinflusst haben, in verschiedener Hinsicht. Vor allem halfen sie mir so über die Welt nachzudenken, dass ich zum Buddhismus hingeführt wurde. Zum Beispiel “Die nachträglichen Memoiren des Bras Cubas” von Machado de Assis. Der Comicroman “Sandman” von Neil Gaiman, “Jenseits von Gut und Böse: Vorspiel einer Philosophie der Zukunft” von Friedrich Nietzsche, “Der Mensch und seine Symbole” von Carl Gustav Jung, “Der neue Prometeus. Die Evolution unserer Intelligenz” von Robert Anton Wilson und die Gedichte von Fernando Pessoa.

Welches waren deine Lieblingsfächer in der Schule?

Geschichte, Philosophie und Literatur.

Warst du schon als Kind an Religion interessiert?

Als Kind habe ich sehr viel gebetet. Ich habe die Hymnen gelesen und fühlte mich dadurch im Innersten sehr berührt und begeistert. Aber ich war nie Mitglied einer kirchlichen oder religiösen Gemeinde.

Seit wann meditierst du?

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich damit ernsthaft und methodisch angefangen.

Warum hast du angefangen zu meditieren?

Ich wollte wieder die Freude des in etwas total Aufgehens erfahren, wie ich es als Kind beim Beten erlebt hatte, oder wie ich es erlebte, wenn ich Musik hörte. Ich habe sehr gerne Musik gehört. Ich suchte – und suche eigentlich immer noch – die reine Erfahrung, jenseits von Begriffen und Gedanken. Freiheit eben.

Du bist Rechtsanwalt gewesen – war das der Beruf, den du schon als Kind ergreifen wolltest?

Nein, das kam erst später. Ich war ziemlich gut mit Worten und konnte gut argumentieren, deshalb haben andere Leute mir geraten Anwalt zu werden, auch um gut Geld zu verdienen. Was sie sagten, kam mir ziemlich realistisch und pragmatisch vor. Aber es war ein Fehler gewesen, darauf zu hören.

Warum?

Ich mochte diesen Beruf nicht. Es geht bei diesem Beruf immer um Streitigkeiten und Konflikte. Es ist nicht einfach, glücklich zu sein, wenn du ständig in dieser Atmosphäre bist.

Jetzt hast du vor Mönch zu werden. Wie kam es dazu?

Vom Lesen von Büchern über Buddhismus und durch das Meditieren. Durch die Meditationspraxis habe ich erfahren, dass das, was in den Büchern über Buddhismus steht, stimmt. Ich bin überzeugt, dass es möglich ist, wahres Glück, echte Zufriedenheit von innen her zu erfahren, ohne dass ich andere verletzen muss oder im Streit mit anderen zu sein.

Vermisst du im Kloster etwas?

Ja, Musik! Manchmal taucht nach der Meditation in meinem Kopf ein ganzer Song auf. Es ist als würde ich ihn ganz laut hören, aber dann erinnere ich mich daran, dass die Meditationspraxis eine viel stabilere und tiefer gehende Zufriedenheit schenken kann als Musik hören. Dann kehre ich zurück zum Atem und zur Meditation.

Was fühlt sich hier im Kloster anders an als vorher, als du in „der Welt“ warst?

Ich fühle mich jetzt viel besser. Der Alltag im Kloster ist natürlich auch nicht einfach und die Meditationspraxis fordert mich zum Teil sehr. Aber hier erlebe ich ein Gefühl von Leichtigkeit und Freiheit, das ich niemals vorher empfunden habe.

 

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