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Eine Maechi aus Thailand erzählt

Maechis nennt man die Nonnen in Thailand, Maechi Tuang ist eine davon. Sie ist  35 Jahre alt und lebt im nordthailändischen Kloster Wat Pa  Baan Mai. Tuangrat Amnuay, wie sie mit ihrem richtigen Namen heißt,  verließ ihren gut bezahlten Job im Fünf Sterne Hotel in Phuket in  Thailand, um in einem abgelegenen Waldkloster Nonne zu werden. Was waren ihre Beweggründe?

 

Was bedeutet es für dich, Nonne geworden zu sein?

Nachdem ich den Bachelor Abschluss für Recht und Hotel Management abgelegt hatte, arbeitete ich in einem Fünf Sterne Hotel in Phuket, eine bei Touristen sehr beliebte Stadt. Es gefiel mir da sehr gut, ich hatte sehr viel mit ausländischen Touristen zu tun, da ich gut englisch spreche. Nebenbei las ich Bücher über Buddhismus und setzte mich intensiv mit seiner Lehre auseinander. Die Wahrhaftigkeit, die ich darin entdeckte, berührte mich so sehr, dass ich meine Arbeit aufgab, um genug Zeit zu haben, wirklich den Dharma zu praktizieren.

Für mich war ausschlaggebend, dass ich wirklich erkannte, wie allgegenwärtig der Zustand der Unzufriedenheit ist, das was die Buddhisten Dukkha, Leiden, nennen. Ich fühlte tief in mir, dass ich davon frei werden möchte. So beschloss ich, buddhistische Nonne zu werden. Ich meditiere so gut ich kann, um Fortschritte auf dem Weg der Befreiung zu machen.

Wie sieht dein typischer Tag im Kloster aus?

Um 3 Uhr morgens stehe ich auf, mache mein Chanting (Gesang der Sutren) und praktiziere bis um 5 Uhr Sitzmeditation. Um 5 Uhr koche ich etwas für das Kloster und helfe das, was den Mönchen bei ihrem Almosengang geschenkt wurde, vorzubereiten. Dann wird das Essen, das gespendet wurde, im Tempel verteilt und ich esse zusammen mit den anderen Nonnen. Danach räume ich die Küche auf.

Von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr Nachmittags ist Zeit für die tägliche Praxis, vor allem Sitz- und Gehmeditation. Von 2 bis 3 Uhr haben wir freie Zeit, das trinke ich Tee oder Fruchtsaft und relaxe. Danach fege ich und räume auf, wasche meine Kleider und tue, was ansteht. Von 5 bis 6 Uhr ist Zeit zu duschen. Von 6 bis 7 Uhr ist Zeit für das tägliche Chanten, und von 7 Uhr abends bis 11 Uhr nachts meditiere ich.

Vermisst du dein „altes“ Leben jetzt wo du Nonne bist?

Ich habe für mich selbst das Gefühl, dass ich alles, was ich in meinem weltlichen Leben wollte, erlangt habe, und dass es jetzt gut für mich ist, in der Welt des Dharma zu sein. Hier kann ich Frieden finden, wirkliche Ruhe, nicht außen sondern innen, in meinem Geist.

Für mich ist folgende Aussage des Buddha eine Richtschnur:
“Renne nicht der Vergangenheit hinterher, erwarte nichts in der Zukunft, was vorbei ist, lass es hinter dir, die Zukunft ist noch nicht da, was auch immer jetzt ist, sieh es klar, hier, genau hier, unerschüttert und furchtlos. Genau so sollst du deinen Geist trainieren, tu, was du zu tun hast, jetzt, so gut du kannst. Denn wer weiß. Morgen wartet der Tod.“

Hattest du schon als Kind die Absicht Nonne zu werden?

Als ich jung war, wollte ich eine gute Lehrerin werden, einen guten Job haben, eine Familie gründen. Doch jetzt weiß ich, dass alle unsere Träume den Grundstein für Unzufriedenheit legen. Alles wird sich anders entwickeln als wir es uns wünschen, was wir für uns erhoffen, wird sich so nicht erfüllen. Am Ende warten nur das Alter, Krankheiten auf uns und dann ist das Leben zu Ende. Das ist mir so sehr klar geworden, dass ich mich für ein Leben im Kloster entschieden habe.

(Interview von Andrea Liebers im Januar 2014)

 

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